Barrierefreiheit und SEO: Warum Accessibility für Schweizer Websites wichtig ist
Barrierefreie Websites ranken besser bei Google. Erfahren Sie, warum Accessibility für Schweizer KMU zum SEO-Vorteil wird und was das BehiG 2025 bedeutet.

Barrierefreie Websites sind nicht nur ein Zeichen von Inklusion. Sie ranken auch besser bei Google. Für Schweizer KMU wird Accessibility jetzt zum strategischen Vorteil.
Wenn Unternehmer an ihre Website denken, stehen meistens Design, Inhalte und vielleicht noch Ladezeiten im Vordergrund. Ein Thema, das dabei oft übersehen wird: die Barrierefreiheit. Also die Frage, ob alle Menschen die Website tatsächlich nutzen können, unabhängig von körperlichen oder kognitiven Einschränkungen.
Doch Barrierefreiheit ist längst mehr als ein soziales Anliegen. Sie hat direkte Auswirkungen auf Ihre Sichtbarkeit bei Google, auf die Nutzererfahrung und spätestens seit 2025 auch auf die rechtliche Situation in der Schweiz und der EU.
Was bedeutet Barrierefreiheit im Web eigentlich?
Eine barrierefreie Website ist so gestaltet, dass sie von allen Menschen genutzt werden kann. Das schliesst Personen mit Sehbehinderungen, Höreinschränkungen, motorischen Beeinträchtigungen oder kognitiven Schwierigkeiten ein. Konkret geht es um Dinge wie ausreichende Farbkontraste, Alternativtexte für Bilder, eine logische Überschriftenstruktur, Bedienbarkeit per Tastatur und Untertitel für Videos.
Die technische Grundlage bilden die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG), die vom World Wide Web Consortium (W3C) herausgegeben werden. Die aktuelle Version 2.2 definiert vier Grundprinzipien: Inhalte müssen wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust sein.
Die Schnittmenge von Barrierefreiheit und SEO
Hier wird es für Website-Betreiber besonders interessant: Viele Massnahmen, die eine Website barrierefrei machen, verbessern gleichzeitig die Suchmaschinenoptimierung. Das ist kein Zufall. Google und Screenreader «erleben» eine Website auf erstaunlich ähnliche Weise.
Beide können keine Bilder «sehen» und sind auf Alternativtexte angewiesen. Beide navigieren über die HTML-Struktur und brauchen eine saubere Überschriftenhierarchie (H1 bis H6). Beide profitieren von beschreibenden Linktexten statt nichtssagenden «Hier klicken»-Links. Und beide bewerten eine Website besser, wenn sie schnell lädt und auf Mobilgeräten einwandfrei funktioniert.
Was sagen die Daten?
Eine Studie von AccessibilityChecker.org in Zusammenarbeit mit Semrush aus dem Jahr 2025, bei der 10'000 Websites analysiert wurden, liefert beeindruckende Zahlen: Websites mit höherer WCAG-Konformität verzeichneten im Durchschnitt 23 % mehr organischen Traffic und rankten für 27 % mehr Keywords. Zudem zeigte sich eine Verbesserung des Authority Scores um rund 19 %.
Diese Ergebnisse sind kein Zufall. Barrierefreie Websites sind in der Regel technisch sauberer aufgebaut, bieten eine bessere Nutzererfahrung und senden damit genau die Signale, die Google für ein gutes Ranking belohnt.
Die konkreten Überschneidungen
Alternativtexte für Bilder: Screenreader lesen Alt-Texte vor, damit sehbehinderte Nutzer den Bildinhalt verstehen. Gleichzeitig nutzt Google diese Texte, um Bilder zu indexieren und in der Bildersuche anzuzeigen. Rund 56 % der Unternehmenswebsites haben keine Alt-Texte – eine einfache Massnahme mit doppeltem Nutzen.
Saubere Überschriftenstruktur: Eine logische H1-H6-Hierarchie hilft sowohl assistiven Technologien als auch Suchmaschinen-Crawlern, den Inhalt zu verstehen und zu gewichten.
Seitenladezeit und Core Web Vitals: Googles Core Web Vitals sind offizielle Rankingfaktoren. Das umfasst Largest Contentful Paint (LCP), Cumulative Layout Shift (CLS) und Interaction to Next Paint (INP). Viele Barrierefreiheits-Massnahmen wie komprimierte Bilder, reduzierte Animationen und sauberer Code verbessern diese Werte direkt.
Beschreibende Linktexte: Links wie «Mehr erfahren über unsere Dienstleistungen» statt «Hier klicken» sind sowohl für Screenreader-Nutzer als auch für Google informativer.
Semantisches HTML: Die korrekte Verwendung von HTML-Elementen (nav, main, article, aside) gibt sowohl assistiven Technologien als auch Suchmaschinen klare Orientierung über die Seitenstruktur.
Die Realität: 96 % der Websites fallen durch
Trotz der klaren Vorteile erfüllen laut dem WebAIM Million Report 2025 rund 96 % aller Websites die grundlegenden Barrierefreiheitsstandards nicht. In der Schweiz sieht es nicht besser aus. Nur etwa 17 % der Schweizer Onlineshops sind barrierefrei nutzbar.
Das bedeutet aber auch: Wer heute in Barrierefreiheit investiert, verschafft sich einen erheblichen Wettbewerbsvorteil. In einem Umfeld, in dem fast niemand diese Standards erfüllt, kann schon eine grundlegende Optimierung den Unterschied machen.
Die rechtliche Lage in der Schweiz
Das revidierte BehiG
Am 28. Juni 2025 trat in der Schweiz die Teilrevision des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG) in Kraft. Damit sind Bundesbehörden, Kantone und Gemeinden verpflichtet, ihre digitalen Angebote barrierefrei zu gestalten. Die Übergangsfrist läuft bis 2030.
Für private Unternehmen besteht in der Schweiz aktuell noch keine generelle gesetzliche Pflicht. Allerdings hat der Bundesrat eine weitere Revision des BehiG auf den Weg gebracht, die voraussichtlich ab 2027 auch private Anbieter digitaler Dienstleistungen in die Pflicht nehmen wird.
Der European Accessibility Act (EAA)
Für Schweizer KMU, die Kunden in der EU bedienen, ist der European Accessibility Act (EAA) bereits seit dem 28. Juni 2025 verbindlich. Das betrifft etwa Onlineshops, die nach Deutschland oder Österreich liefern. Bei Verstössen drohen je nach EU-Mitgliedstaat Bussgelder, Verkaufsverbote und Abmahnungen.
Die EU ist mit einem Handelsvolumen von 58 % der wichtigste Handelspartner der Schweiz. Für viele KMU wäre ein Verzicht auf den EU-Markt schlicht undenkbar. Wer dort aktiv ist, muss die Barrierefreiheitsanforderungen erfüllen.
Barrierefreiheit und KI-Suchmaschinen
Ein oft übersehener Aspekt: Barrierefreiheit wird auch für die Auffindbarkeit durch KI-gestützte Suchsysteme wie ChatGPT, Perplexity oder Google AI Overviews immer wichtiger. KI-Agenten durchsuchen und interpretieren Websites ähnlich wie Screenreader. Sie brauchen strukturierte, semantisch korrekte Inhalte, um relevante Informationen zu extrahieren und weiterzugeben.
Wer seine Website barrierefrei und semantisch sauber aufbaut, ist also nicht nur für die heutige Google-Suche gut aufgestellt, sondern auch für die KI-gestützte Suche von morgen.
Was sollten Schweizer KMU jetzt tun?
Die gute Nachricht: Viele Barrierefreiheits-Massnahmen sind weder teuer noch aufwändig. Ein paar Schritte, die sofort einen Unterschied machen:
Alt-Texte ergänzen: Jedes Bild auf Ihrer Website sollte einen beschreibenden Alternativtext haben. Das ist die einfachste und wirkungsvollste Massnahme für SEO und Barrierefreiheit gleichermassen.
Kontraste prüfen: Stellen Sie sicher, dass Text und Hintergrund genügend Kontrast bieten. Das hilft nicht nur sehbeeinträchtigten Nutzern, sondern auch jedem, der die Website bei Sonnenlicht auf dem Handy liest.
Überschriftenstruktur aufräumen: Verwenden Sie H1 bis H6 in einer logischen Reihenfolge. Keine H3 ohne vorherige H2, kein Überspringen von Ebenen.
Tastatur-Navigation testen: Können Sie Ihre gesamte Website nur mit der Tab-Taste bedienen? Falls nicht, gibt es Handlungsbedarf.
Formulare beschriften: Jedes Eingabefeld braucht ein zugehöriges Label-Element. Das hilft Screenreadern und verbessert die Usability für alle.
Fazit: Barrierefreiheit ist kein Kostenfaktor, sondern eine Investition
Barrierefreiheit, SEO und Nutzererfahrung sind keine getrennten Disziplinen. Sie sind drei Seiten derselben Medaille. Wer seine Website zugänglich macht, verbessert automatisch die technische SEO-Qualität, erreicht mehr Menschen und bereitet sich auf kommende gesetzliche Anforderungen vor.
In der Schweiz leben rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Behinderung – über 20 % der Bevölkerung. Dazu kommen ältere Nutzer, Menschen mit temporären Einschränkungen und alle, die einfach von einer besser nutzbaren Website profitieren. Diese Zielgruppe zu ignorieren, ist nicht nur ethisch fragwürdig, sondern auch geschäftlich unklug.
Die Frage ist nicht mehr, ob Barrierefreiheit wichtig ist. Sondern nur noch, ob Sie zu den 4 % gehören, die davon profitieren, oder zu den 96 %, die den Anschluss verpassen.
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