Website-Analyse von 1548 Schweizer Marketing-Agenturen
Analyse von 1548 Marketing-Agenturen: 53% ohne Website, Durchschnittsscore 77.6. Die Branche, die andere berät, hat selbst Nachholbedarf.

Marketing-Agenturen verkaufen Sichtbarkeit. Viele beraten KMU zu Webauftritten, SEO und digitaler Präsenz. Doch wie steht es um ihre eigenen Websites? Wir haben 1'548 Schweizer Marketing-Agenturen analysiert. Mit überraschenden Ergebnissen.
Die Zahlen im Kontext
53% der Marketing-Agenturen haben keine eigene Website. Von 1'548 analysierten Unternehmen verfügen nur 733 über einen eigenen Webauftritt.
Das klingt dramatisch. Ein Blick hinter die Zahlen relativiert zumindest teilweise: Die Branche «Marketing» umfasst nicht nur Digital-Agenturen. Viele Einträge sind Einzelunternehmen oder Kleinstfirmen mit ein bis zwei Mitarbeitenden. Andere sind auf klassisches Marketing spezialisiert. Printprodukte, Events, Direktmarketing. Bereiche, in denen eine Website weniger zentral ist.
Trotzdem: Für potenzielle Neukunden, die online nach einer Agentur suchen, existieren diese Anbieter schlicht nicht. Und wer anderen Unternehmen zu mehr digitaler Präsenz verhilft, sollte selbst sichtbar sein.
Die Websites, die es gibt
Von den 733 Agenturen mit Website konnten wir 677 erfolgreich analysieren. Der Durchschnittsscore liegt bei 77.6 von 100 Punkten. Ein solides Ergebnis, das leicht über dem Schweizer Durchschnitt liegt.
Score-Verteilung im Überblick
Über 93% der Marketing-Websites erreichen mindestens 60 Punkte. Das zeigt: Wer in dieser Branche eine Website hat, weiss meist, was sie tut.
Was die Besten richtig machen
Ein Blick auf die Top-Performer zeigt klare Muster. Websites mit Scores über 95 Punkten haben eines gemeinsam: Sie praktizieren, was sie predigen.
Klare Positionierung statt Bauchladen: Die besten Agenturen fokussieren sich auf spezifische Dienstleistungen. Social Media Marketing, Google Ads, Content-Produktion. Keine Versuche, alles anzubieten.
Technische Exzellenz: Schnelle Ladezeiten, sauberer Code, korrekte Meta-Tags. Die Grundlagen sitzen perfekt.
Vertrauensaufbau durch Substanz: Case Studies, konkrete Referenzen, echte Kundenstimmen. Keine leeren Versprechen.
Vollständige rechtliche Seiten: Impressum, Datenschutzerklärung, AGB. Alles vorhanden und aktuell.
Die Ironie: Diese Websites sind oft schlichter als der Branchendurchschnitt. Weniger Animationen, weniger Effekte. Dafür schneller und besser strukturiert.
Wo die Branche generell gut abschneidet
Marketing-Agenturen punkten besonders bei den Grundlagen:
SEO ist die Paradedisziplin:
- Durchschnittlicher SEO-Score von 83.9 Punkten. Der höchste aller Kategorien.
- 86.3% haben eine robots.txt-Datei
- 77.8% nutzen eine XML-Sitemap
Technische Standards sitzen:
- 94.5% haben ein gültiges SSL-Zertifikat
- 93.0% erfüllen die Core Web Vitals
- 91.7% sind für mobile Geräte optimiert
Barrierefreiheit ist überdurchschnittlich:
- 97.7% setzen ARIA-Attributes korrekt ein
- 95.4% haben korrekt beschriftete Formulare
- 90.2% erreichen einen guten Accessibility-Score
Wo es überraschend hapert
Die Analyse zeigt aber auch: Selbst Profis haben blinde Flecken.
Performance bleibt die grösste Baustelle
Mit 60.3 Punkten ist Performance die schwächste Kategorie. Und das bei Agenturen, die genau dieses Thema ihren Kunden verkaufen.
- JavaScript-Optimierung: Nur 41.5% laden Scripts effizient
- Ladegeschwindigkeit: 23.9% der Seiten sind zu langsam
Das Problem: Viele Agenturen nutzen aufwändige Animationen und Effekte, um zu beeindrucken. Diese gehen oft zu Lasten der Ladezeit. Laut einer Google-Studie steigt die Absprungrate um 123%, wenn die Ladezeit von einer auf zehn Sekunden anwächst. Die Top-Performer zeigen: Weniger ist mehr.
SEO-Fallstricke trotz guter Werte
Der SEO-Score von 83.9 Punkten täuscht über einige Probleme hinweg:
- Meta-Tags: Nur 63.2% haben SEO-optimierte und vollständige Titel und Beschreibungen. Ein Eigentor für SEO-Agenturen.
- Widersprüchliche robots.txt: Einige Websites haben eine robots.txt-Datei, die sich selbst widerspricht oder wichtige Seiten blockiert. Ein technisches Detail, das Suchmaschinen verwirrt.
Farbkontrast wird vernachlässigt
Nur 40.9% erfüllen die Mindestanforderungen beim Farbkontrast. Marketing-Agenturen gestalten oft mit dunklen Hintergründen und dezenten Grautönen. Sieht modern aus, ist aber für viele Menschen schwer lesbar.
Rechtliches fehlt häufig
- Impressum/Datenschutzerklärung: Nur 49.8% haben vollständige rechtliche Seiten
- .ch-Domain: Nur 79% nutzen eine Schweizer Domain
Für eine Branche, die Professionalität verkauft, ist das ein vermeidbares Risiko.
Einige Agenturen nutzen .ag-Domains. Die Anspielung auf «AG» ist clever, aber technisch handelt es sich um die Länderendung von Antigua und Barbuda. Für Schweizer SEO ist das ein Nachteil.
Schweizer Hosting: Kein Fokus
Nur 46.4% hosten ihre Website in der Schweiz. Für Agenturen, die Schweizer KMU beraten, könnte lokales Hosting ein Vertrauensfaktor sein. Wird aber kaum genutzt.
Der eigentliche Takeaway
Das interessanteste Ergebnis ist nicht der Score von 77.6 Punkten. Es ist die Kluft zwischen den Besten und dem Durchschnitt.
Die Top-Performer praktizieren konsequent, was sie verkaufen: schnelle, fokussierte Websites mit klarer Botschaft und sauberer Technik. Der Durchschnitt hingegen verfällt oft dem «Schuster, der die schlechtesten Schuhe trägt»-Syndrom. Aufwändige Effekte, vernachlässigte Performance, unvollständige rechtliche Seiten.
Für KMU, die eine Marketing-Agentur suchen, ist das ein guter Indikator: Wie sieht die Website der Agentur selbst aus?
Die wichtigsten Erkenntnisse
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53% haben keine Website. Viele davon sind Einzelunternehmen oder klassische Marketing-Dienstleister. Aber für eine Branche, die digitale Präsenz verkauft, ist das trotzdem ein Problem.
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Wer eine Website hat, macht vieles richtig. SEO und technische Grundlagen sind überdurchschnittlich gut.
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Die Besten setzen auf Substanz statt Show. Top-Scores korrelieren mit fokussierten, schnellen Websites. Nicht mit aufwändigem Design.
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Performance wird dem Design geopfert. Aufwändige Effekte gehen zu Lasten der Ladezeit.
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Technische Details werden übersehen. Widersprüchliche robots.txt, fehlende Meta-Tags, unvollständiges Impressum. Flüchtigkeitsfehler, die Profis nicht passieren sollten.
Was können Marketing-Agenturen tun?
Quick Wins für sofortige Verbesserung:
- JavaScript-Loading optimieren (defer/async)
- robots.txt auf Widersprüche prüfen
- Farbkontraste testen und anpassen
- Impressum und Datenschutzerklärung ergänzen
- Meta-Descriptions für alle Seiten verfassen
Von den Besten lernen:
- Fokus auf wenige, klar kommunizierte Dienstleistungen
- Substanz vor Show. Echte Case Studies statt Stockfotos
- Performance vor Animationen. Schnelle Ladezeiten gewinnen
Fazit
Mit einem Durchschnittsscore von 77.6 Punkten schneiden Marketing-Agenturen ordentlich ab. Wenn sie denn eine Website haben.
Die Branche ist heterogen. Viele Einträge sind Einzelunternehmen oder klassische Marketing-Dienstleister. Aber 53% ohne Website bleibt ein Problem. Wer Kunden bei ihrer digitalen Präsenz berät, sollte selbst eine haben. Alles andere untergräbt die Glaubwürdigkeit.
Die gute Nachricht: Die Top-Performer zeigen, wie es geht. Fokussierte, schnelle Websites, die praktizieren, was sie predigen. Für alle anderen gilt: Die eigene Website ist die beste Visitenkarte. Oder eben die schlechteste.
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